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Warten auf Schmetterlinge

Hat Disney uns versaut? Ich für meinen Teil warte darauf, dass ich beim ersten Date Schmetterlinge im Bauch habe. Ich stelle mir das in etwa so vor:

Ich warte im Café. Vor mir ein Milchkaffee, die Sonne scheint durch das Fenster und ich habe dieses merkwürdige Gefühl im Bauch, was man vor dem ersten Date eben hat. Ich schaue aus dem Fenster und hoffe, dass er gleich das Café betritt. Und das tut er dann auch: Groß, attraktiv, mindestens genauso sexy wie auf seinen Bildern. Er setzt sich zu mir, ich schaue in seine tiefbraunen Augen mit den langen, dunklen Wimpern, er lächelt mich an und dann, dann sind sie da: Die Schmetterlinge in meinem Bauch! Bei jedem Blick, bei jeder Berührung. Alles ist einfach perfekt. Er sieht toll aus, er ist klug, witzig und humorvoll, wir lachen über die gleichen Dinge, wir haben die gleichen Erwartungen ans Leben, an die Liebe.

Und dann ist da die Wirklichkeit: Der Typ sieht nicht aus wie auf seinen Fotos. Oder er teilt mir mit, dass ich lieber nicht zu ihm kommen sollte, weil da noch "seine Ex" wohnt. Oder er reicht merkwürdig. Oder er redet komisch, seine Stimme klingt wie Micky Mouse. Vielleicht ist er auch ein totaler Langweiler, oder ein Profi-Swinger. Oder eben eine Mischung aus all dem. Schmetterlinge? Fehlanzeige!

Die gab es nur ein einziges Mal in meinem Leben. Ich war Anfang Zwanzig und erst seit einigen Monaten von meinem ersten festen und langjährigen Freund getrennt. Ich hatte ihn übers Internet kennengelernt und dann trafen wir uns. Spontan. Auf dem Bahnhof einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Dieser Typ war blond und blauäugig. Nicht das, was ich als mein "Beuteschema" beschreiben würde. Doch als er mich ansah und zur Begrüßung umarmte traf mich der Blitz! Ich war auf der Stelle verliebt in ihn. Meine Beine wurden weich, ich sah ihn an und konnte nicht mehr klar denken. Immer bevor wir uns trafen wäre ich fast gestorben vor Aufregung. Die Stunden mit ihm rasten nur so dahin. Ohne ihn konnte ich nicht sein, ich vermisste ihn jede Sekunde. Dieser Mann bescherte mir die unvergesslichsten, wunderbarsten und gleichzeitig die fürchterlichsten Stunden meines Lebens. 

Doch noch heute warte ich darauf, dass dieses Gefühl zurück kommt. Dass ich einen Mann treffe, der mich umhaut! Einen, bei dem die Schmetterlinge zurück kommen. Warum ist das so schwer? Es geht doch anscheinend. Warum hat das danach nie wieder funktioniert? Und verbaue ich es mir selbst, wenn ich darauf warte? Werde ich eine verrückte, einsame, alte Katzenlady wenn ich darauf warte, dass dieses Gefühl zurück kommt?

I wait for butterflies. I make wrong choices!

25.10.16 19:43, kommentieren

Wrong Choices - Part 1

Da lag ich nun. Sein Arm unter meinem Kopf, seine Hand auf meiner Taille - und ich fragte mich: Warum?

Ich hatte doch eigentlich von Anfang an gewusst, dass das mit uns beiden nicht passt. Da saß er, bei unserem ersten Date und sagte mir, dass er eigentlich noch älter war, als er in dem Profil auf dieser Datingseite angegeben hatte. Ich versuchte meine Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten, doch wenn ich ehrlich bin - das sah man auch. Dennoch amüsierte ich mich ganz gut. Nur Schmetterlinge waren da eben keine. Wie immer... 

Und nun hatte ich mich wieder in so eine Situation manövriert und fragte mich wie ich es schaffen sollte da wieder heraus zu kommen. 

Mein Nacken schmerzte bereits von der unglücklichen Position auf seinem Arm. Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken und wollte am liebsten auf der Stelle aufstehen und seine Wohnung verlassen. Ich hätte schreien können! Tat ich aber nicht. Stattdessen starrte ich in die Dunkelheit. Der Umriss des Wäscheständers der da nun schon seit drei Besuchen stand hob sich vom Hintergrund ab. Er grunzte im Schlaf und ich hoffte inständig, dass er sich endlich umdrehen und mich aus seiner Umklammerung befreien würde - Fehlanzeige. Ich spürte, wie sich mir der Hals zuschnürte. Warum liege ich hier? Nur weil ein Mann nett ist, ist er noch lange nicht der Richtige. In meinem Kopf bauschten sich meine wirren Gedanken zu großen, grauen Wolken. Sein Arm, sein Atem, sein Bein, welches er jetzt über meines schob - all das machte mich wütend, aggressiv und gleichzeitig traurig. Ich überlegte kurz, ob heulen helfen würde. Aber was, wenn er dann aufwachte? dann hätte ich ihm erklären müssen, was los war. 

Die nahe U-Bahn hielt mich vom Einschlafen ab. Mein Atem ging kurz und stoßweise: Was tue ich hier?! Ich war unglaublich wütend auf mich selbst und machte mir Gedanken darüber, wie zur Hölle ich ihm beibringen sollte, dass wir uns lieber nicht weiter treffen sollten. 

Nicht, dass ich davon ausgehe, dass er in mich verliebt ist. Aber Männer sind anders gestrickt. Sie nehmen den Sex mit, solange der nur gut ist. Und ich muss zugeben, das passt irgendwie. Aber das ist keine Option. Nicht für mich. Ich muss da raus. Am besten sofort. Aber das stand selbstverständlich nicht zur Debatte. Nie im Leben würde ich mitten in der Nacht aufstehen und mich heimlich wegschleichen. Ich traute mich ja nichtmal aufzustehen um auf die Toilette zu gehen. 

Irgendwann schaffte ich es zumindest, mich so zu drehen, dass sein Arm mir nicht weiterhin Nackenschmerzen aus der Hölle bescherte. 

Zumindest kurzzeitig fand ich ein wenig Schlaf. Und irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, drehte er sich endlich weg von mir. Nicht, dass ich gern Po an Po mit ihm schlafen wollte, aber zumindest konnte ich so wieder ein wenig atmen. Kein Arm, der mich umklammerte, als würde er mich nie wieder loslassen wollen. Kein warmer Atem in meinem Nacken. Ich hasse es angeatmet zu werden! Nunja, zumindest bei den meisten Menschen kann ich mich damit nicht anfreunden. Es gibt Ausnahmen. Bei denen liege ich auch gerne im Arm. Aber in dieser Nacht wurde mir klar, dass er nicht dazu gehörte. Das ist nicht der Mann, neben dem ich Nacht für Nacht schlafen will. Ich hab's versucht. Ehrlich! Ich hab mich wieder mit ihm getroffen, obwohl ich mich beim ersten Treffen nicht Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Denn das ist es, was meine Freunde zu mir sagen: Hör auf, auf den Knall beim ersten Treffen zu warten, das gibt es nicht! Gib den Männern doch mal eine ehrliche Chance! Liebe auf den ersten Blick gibt es nur bei Disney! Vielleicht haben sie ja Recht...

Nun - ich überstand die Nacht. Trotz Löffelchenstellung, trotz Hautkontakt, trotz Atem in meinem Nacken, meinem Gesicht... Und dann ging ich. Nach dem Kaffee. Und ich sagte kein Wort darüber, dass ich nicht wiederkommen will. Denn das wäre doch undankbar und unfreundlich. Ich bin nicht unfreundlich - Ich schlafe aus reiner Höflichkeit mit Männern, von denen ich weiß, dass sie eigentlich nicht mein Typ sind. I make wrong choices!

23.10.16 18:17, kommentieren